Mensch, Gesellschaft und Wissenschaft

 

Nachtrag am 3.7.2014

 

Ich hatte einen Chat mit Professor Luis Diaz vom John Hopkins University Hospital in Baltimore.

Wie sein Artikel, den ich unten zitiert habe, zeigt, ist er einer der gegenwärtig einflussreichsten Forscher auf dem Gebiet der zirkulierenden DNS.

 

http://www.hopkinsmedicine.org/profiles/results/directory/profile/0013086/Luis-Alberto-Diaz-MD?CLEARPAGECACHE=false&appRedirRef=http%3A%2F%2Fwww%2Egoogle%2Ede%2Furl%3Fsa%3Dt%26rct%3Dj%26q%3D%26esrc%3Ds%26source%3Dweb%26cd%3D2%26ved%3D0CCoQFjAB%26url%3Dhttp%253A%252F%252Fwww%2Ehopkinsmedicine%2Eorg%252Fdoctors%252Fresults%252Fdirectory%252Fprofile%252F0013086%252FLuis%2DAlberto%2DDiaz%2DMD%26ei%3DuI61U77LO4aV0AWSkIA4%26usg%3DAFQjCNFpL%5FwwCrVv4dkOaOmmX0WlX9RVvQ%26bvm%3Dbv%2E70138588%2Cd%2EbGQ

 

In unserer Unterhaltung hat es bedauert, dass er von unserer Forschung nicht früher gelesen hatte, dann aber einen recht erfreulichen Kommentar geschrieben:

 

„The field is moving so fast that we obviously missed your seminal work.  I will be sure to cite your work and make special reference to your early contribution.  My apologies for our oversight.

 

You were leading a revolution! “

 

Das zu lesen von einem objektiven Forscher tut gut.

 

TheFirst International Symposium on circulating DNA in Annecy 1999.

Meine Arbeitsgruppe im „ Steinbeiss Zentrum für biomolekulare Medizin“ an der Universität Konstanz hat 1999 beim ersten internationalen Symposium teilgenommen. Das ist nun 15 Jahre her und war sozusagen eine Gründerzeit- Veranstaltung, auf welcher der damals noch kleine Kreis der Wissenschaftler zusammenkam, die sich weltweit mit dem Nachweis von frei zirkulierender DNA in Blut /Plasma beschäftigte. Bis kurz davor war es noch ein Dogma, dass Erbmaterial nicht frei in Blut /Plasma vorkäme. Damals und heute?

Ich hatte damals schon die Vorstellung, dass Tumorzellen, die der Apoptose unterliegen, ihre DNA in Blut/Plasma freisetzen würden, denn wo sollte diese DNA denn sonst erscheinen, um abgeräumt zu werden? Wieder eine meiner vielen „naiven Fragen“, die schon zu einigen neuen Entdeckungen geführt haben, auf die ich in dieser Website hingewiesen habe.

Der Wahnsinn des „Self-publishing of health”

Vorbemerkung:

Ich selbst habe mich in Vorträgen für das “quantified self” und die Erhebung von Gesundheits- und Leistungsdaten durch Tracker eingesetzt, siehe Powerpoint Präsentationen.

Die Tracker sind ein weltweites riesiges Geschäft geworden,- Millionen von Menschen rund um die Welt sind damit ausgerüstet.

Ich bin nach wie vor dafür, dass Bürger zu Hause medizinisch relevante Daten erheben können als Gesundheitsvorsorge im Benehmen mit ihrem Arzt, dem sie am besten DIREKT und unter Umgehung jeglicher Internetpräsenz, übergeben werden können.

Für Notfälle muss ein absolut sicheres Verschlüsselungssystem her, das es bisher nicht gibt.

Dadurch , dass die Anwender aber blind in die Werbefalle tappen und ihre persönlichsten Daten über bluetooth in iOS und Android- Geräte verlagern, werden diese intimen Daten allgemein publik und durch die Internetgiganten wie Google, Facebook und andere zur öffentlichen „Handelsware“ wie ich gerade in meinem Beitrag beschrieben habe:

http://www.hesch.ch/news/like/150-http-hesch-ch-news-mensch-und-gesellschaft-149-google-verweigerung-geheimnis-doppelleben-warenaustausch-eugh-vom-14-5-2014

Heute wird gar publiziert bei Gizmag, dass man nun auch medizinisch relevante Daten aus Speichel – Harn- und Blutproben zu Hause messen kann.

http://www.gizmag.com/cue-home-medical-diagnostics/32091/?utm_source=Gizmag+Subscribers&utm_campaign=ca673e919d-UA-2235360-4&utm_medium=email&utm_term=0_65b67362bd-ca673e919d-90429741

Testing for five key health indicators; inflammation, vitamin D, fertility, influenza, and testosterone, Cue is claimed to be the most advanced consumer health product available to date. While these seem to be an interesting bundle of self-tests to release a product with, developers identified them as the most common tests run by general practitioners (GPs) in the US and say more tests will be rolled out in the future.

Man stelle sich vor “Entzündung, Vitamin D, Fruchtbarkeit der Frau, Grippe, Testosteron beim Mann” werden von intim- privaten medizinischen Daten zur öffentlichen Behandlungs- und Handelsware und darauf wird explizit auch noch hingewiesen:

This information is transmitted to a companion app for iOS and Android devices via Bluetooth 4.0, with the app then offering ideas on how to improve health.

Bisher galt aber für alle medizinisch relevanten Daten das „Arztgeheimnis“ und nun wird auch dieses „heilige“ Geheimnis durch die gewiss gut gemeinten Aktivitäten aufgegeben.

Das kann extrem unangenehme Folgen für das öffentliche Leben, für gesellschaftliches Auftreten und für berufliche Konsequenzen bis hin zur Diskriminierung führen.

Ich rufe alle Bürger auf, sich diesem Wahnsinn durch Geheimhaltung persönlicher Daten zu entziehen.

Stichwort GOOGLE und EuGH 13.5.2014

Die FAZ publiziert eine Serie von Artikeln zur Allgegenwart von Google und den Konsequenzen von deren ubiquitären Präsenz. Mit Matthias Döpfner (faz.net/feuilleton 15.4.2014) hat ein großer Betroffener nun endlich einmal den Mund aufgemacht und Eric Schmidt, dem Chef von Google einen offenen Brief geschrieben, als Replik auf dessen Beitrag in der FAZ “Die Chancen des Wachstums“, der fast weltweit beachtet wurde. Das hat die Professorin Shoshana Zuboff von der Harvard Business School veranlasst, die Angelegenheit aus ihrer Sicht mit einem Artikel „Schürfrechte am Leben“ zu kommentieren (faz.net/feuilleton 30.4.2014). Ein brillanter Artikel, der mir besonders wegen des Rekurs auf den Historiker Karl Polanyi gefällt. Er beschrieb den historischen Aufstieg eines neuen menschlichen Konzepts:“ die selbstregulierende Marktwirtschaft“. Polanyi erkannte, dass die „Marktwirtschaft des 19. Und 20. Jahrhunderts auf drei erstaunlichen Erfindungen beruht,- Fiktionen genannt. Die erste Fiktion besagt, dass menschliches Leben der Marktdynamik unterworfen sei und als „Arbeit“ wiedergeboren werden kann. Die zweite, dass die Natur der Marktdynamik unterworfen werden kann und als „Grundbesitz“ wiedergeboren werden, und die dritte dass die Kaufkraft als „Geld“ wiedergeboren werde. Der Erfolg des Industriekapitalismus beruhte auf der die drei fiktive Waren“ .Also sind die drei „Arbeit, Grundbesitz und Geld“ zur „Ware“ verwandelt worden, mit denen gehandelt und Macht gewonnen werden kann.


 

Frau Zuboff bringt die vierte neuste Version der Fiktionen. Sie beschreibt Google ( und ich denke alle großen Internetgiganten) als eine Marktdynamik, welche die „Realität“ des Menschen ins Fiktive umwandelt und als „Verhalten „ wiedergeboren wird. „ Dazu gehört das Verhalten der Lebewesen , ihrer Körper und ihrer Dinge, das Verhalten selbst sowie Daten über das Verhalten“ Ich habe das auf meiner Website an anderer Stelle als die „Bemächtigung unserer Biographie“ als die vierte fiktive Ware beschrieben, die dem Code der Jetztzeit unterworfen wird,- menschliche Biographie als Ware Dritter, die daran verdienen. Die drei früheren Fiktionen ließen Dritte natürlich auch an ihnen niedriger im Gesellschaftsleben Stehende verdienen, aber nicht an deren Verhalten, das nennt Zuboff zu Recht den Erwerb eines “Schürfrechtes am Leben“.

Und darum geht es jetzt überhaupt bei Big Data. Ich beschrieb hier kürzlich an mehreren Stellen

(http://www.hesch.ch/news/mensch-und-gesellschaft , http://www.hesch.ch/news/powerpoint-praesentationen/115-epigenetics-and-megacities-vortrag , http://www.hesch.ch/news/mensch-und-gesellschaft/136-frank-schirrmacher-faz-net-das-armband-der-neelie-kroes)

wie diese unser Verhalten analysieren bewerten und steuern. In einem weitere Beitrag hat Jaron Lanier FAZ.net 24.4.2014) getitelt: „Wer die Daten hat, bestimmt unser Schicksal“. Er hat als Miturheber der gegenwärtigen Situation hervorragende Vorschläge, die deutlich vernünftiger sind als die von S. Gabriel („Google zerschlagen), was auch Justus Haucap ( FAZ.net 26.4.2014) für illusorisch hält , schon weil die meisten IT Konzerne schon zu unglaublicher Macht gekommen sind ( z.B. auch Facebook, Twitter Amazon, Yahoo und andere). W. Kleinwächter hat über die soeben stattgefundene Konferenz in Sao Paulo berichtet, wo über die Einrichtung eines „Internetgovernance Systems „ nachgedacht wurde. „Es gilt dann Verantwortung so zu verteilen, dass eine Allmacht überhaupt nicht entsteht“. Das ist allerdings naiv, denn dieselbe ist ja schon vorhanden. Und kann nicht mehr entkoppelt und durch „nichtgovernementale Regulations- und Kontrollsystem (Internet Fernmeldeunion, Internet governance forum, Icam) gebändigt werden, daher mein früheres Bild von der Hydra. In Sao Paulo suchte man nach Modellen einer „Beteiligungsdemokratie“, die transnational wirksam sein sollten und nationale Grenzen überschreiten soll, die allerdings schon im Iran, beginnend Türkei und sicher China und Russland schon bestehen. Eine Internetdemokratie mit eine Roadmap in einer terrestrisch geteilten Globalverantwortung: Dies scheint mir illusorisch und nicht wünschenswert, weil wieder ein antiindividuelles gigantisches Regelwerk entstehen würde, gleichsam eine Superhydra über den schon bestehenden, - wahrlich absurd.

Ich nehme den Gedanken von Jaron Lanier auf. Gegen die neue ubiquitäre Allmacht der Verhaltensvereinnahmung kann man aber das Individuum bemächtigen. Und da gibt es zwei Wege,- einer erst am 13.5. 20 14 vom EuGH beschlossen.

Aber zunächst müssen wir uns selbst, jeder einzelne weigern, sich systemkonform „kostenlos“ ausspähen und steuern zu lassen. Für dieses Recht müssen Gesetze und marktwirtschaftliche Modelle her. Egal wohin und wem wir Informationen von uns geben oder zulassen, dass solche über uns erhoben werden, so müssen sie als „Ware“ wie früher die Arbeit, und der Grundbesitz behandelt und „gehandelt „ werden. In „Das Magazin“ No. 12 wird darüber reflektiert, dass ein jeder Mensch das Rechts auf Geheimnis habe .Jeder darf ein unbeobachtetes Doppelleben führen und dessen Gestaltung bestimmt, was und wem ich von mir Person und Biographie als „Ware“ zur Nutzung verkaufe und ich bestimme in Verhandlungen den Preis der Ware. Dieses „Mikrobezahlsystem“, was Gedanken von Raiffeisen und Yunus in einem neuen globalen Denken aufgreift würde uns wieder zur Herrschaft über unser Sosein und dessen verhalten verhelfen. Dies bedingt eine völlig neue Moral der „Verweigerung“ anstatt des willenslosen Zustimmens, wenn man „ins Netz geht“. Wir müssen uns zwingen, nicht täglich persönlichste Daten im Internet zu transportieren, die weltweit von den Hydren kommerziell genutzt werden ohne dass wir daran teilhaben und uns selbst zur Ware von Dritten machen.

Ich habe noch keine Vorstellung, wie man ein solches Mikrobezahlsystem, einen individuell gesteuerten kommerziellen Informationstransfer und die Verwaltung von „Geheimnis“ technisch im Internet implementieren kann. Drüber gilt es jetztnachzudenken,
für mich eine der größten gegenwärtigen Herausforderungen seitdem es Internet gibt,- aber vielleicht sind wir seit dem 13.5.2014 auf einem alternativen Weg, denn die gesetzgebende Politik hat sich etwas einfallen lassen. Wer keinen Handel mit seinen Daten und den Internetgiganten treiben will, kann seine Daten sozusagen „löschen“ lassen.

Inzwischen hat uns nämlich der EuGH seit 13.5.2014 das Recht gegeben, unsere Daten bei Google löschen zu lassen. Ich bin gespannt, wie man das technisch lösen kann. Bis jetzt habe ich keine Lösung gefunden auf Google.com, wie man seine Daten definitiv von deren Server entfernen kann und in den Tagesmeldungen des 14.5.2014 gibt es zwar viele Kommentare und Interpretationen zum Beschluss der EuGH, aber keine „Anleitung“ wie und wo man bei Google seine Daten endgültig löschen kann. Das bisher vorgegebene Verfahren google.com/history, dann „settings“,- dann „delete“ kann „searches „ löschen, aber nicht private, persönliche Daten und deren Verwendung, die schon damit geschehen sein mag.

Ich warte, wie sich Google aus dieser ihr um den Hal gelegten Schlaufe ziehen wird.

Ich warte auf eine „Anleitung“ zum EuGH- Gesetz, die für jeden Benutzer effektiv wird.

http://hd.welt.de/ausgabe-b/apps-computer-b/article126841779/Gesundheits-Apps-sollen-amtlich-geprueft-werden.html

In diesem Artikel werden die aktuellen Möglichkeiten der Datenspeicherung von persönlichen Lebens- und Gesundheitsdaten besprochen.

Die EU hat eine Befragungsaktion der Bürger gestartet

http://ec.europa.eu/eusurvey/runner/green-paper-mHealth-2014

http://ec.europa.eu/digital-agenda/en/news/green-paper-mobile-health-mhealth

Welcher Bürger die Zeit hat, diese lange Dokumentation ausfüllen soll weiß ich nicht, - ich habe es rasch aufgegeben, so kann das nichts werden.

Der Titel: "Gesundheits- Apss sollen amtlich geprüft werden" ist schon jetzt eine Illusion, denn, da gibt es nichts mehr zu prüfen und zu regulieren, das ist alles schon da und nicht mehr "zurückzudrehen" oder zu kontrollieren, wie ich schon mehrmals ausgeführt habe.

Da macht sich die EU mit einer riesigen Beamtenaktion über rechtliche Rahmenbedingungen eines Phänomens, dass omnipräsent und rechtlich nicht mehr zu regulieren ist. Nur der einzelne Bürger kann und muss seine Daten in die Hand nehmen und entscheiden, wer sie bekommen soll. Ich empfehle jedem einen eigenen , privaten, persönlichen Datenträger, der kann, wenn Platz genug ist, wie eine Chipkarte gestaltet sein. Er muss für die Öffentlichkeit unzugänglich sein und man entscheidet selbst, was davon man wem freigibt, einschliesslich Genanalysen.

In "Gesundheitssysteme" oder mobile Netze, elche  aucn immer dürfen die Daten nicht gehen.

Selbst die von mir postulierte "Rewardbank" muss noch ein intensiveres Bankgheimnis als Bollwerk in ihrem Server aufbauen als die Geldbanken.

Was der Gesetzgeber jetzt noch tun kann, ist das Recht auf eine private Verschlüsselung der Daten rechtlich zu sichern. Der Bürger sollte umgehend aufhören, seine Daten in mobile Geräte, Tablets und Apps zu geben, das öfffnet die von mir beschriebene Datenhydra, die unser gesamtes Privatleben verschlingen wird, wenn man nicht Einhalt gebietet . Ist es schon zu spät?

Bei den ganzen Bemühungen die Gesundheit Apps in die Versorgung der Bürger einzubinden, gibt es das in meiner Website schon immer wieder erwähnte technische Problem, der korrekten Datenerhebung speziell von Trackern.

Es fehlen einfach noch immer die geeigneten und genormten, technisch einwandfreien Geräte zur externen Datenerhebung der Wearables.

Im Prinzip ist die direkt am Menschen erhobene Sammlung von vitalen Daten ein Quantensprung in der Gesundheitsvesorgung.

Ich sehe noch immer 2 Probleme

  1. Wann werden standardisierte, technisch einwandfreie Messysteme und nicht nur Apps als Geschäftemacherei und illegale Datensammler zur Verfügung stehen?
  2. Wie sichert man die mehr oder weniger öffentlich gemachten privaten und intimen Gesundheitsdaten. Ein solcher Schutz ist bei deren Deposition auf mobilen Geräten nicht mehr möglich und es ist meiner Meinung auch zu spät diesen noch zu realisieren.

Was damit alles geschehen kann , habe ich in anderen Beiträgen hier schon besprochen und oben nochmals darauf hingewiesen,- ich meine die EU kommt viel zu spät.

http://www.hesch.ch/news/like/144-fitness-tracker-was-bringen-sie

http://www.hesch.ch/news/mensch-und-gesellschaft/136-frank-schirrmacher-faz-net-das-armband-der-neelie-kroes

Syrien,- ein biologische Beispiel der Gewalt in der Menschheitsgeschichte

 

Wenn man die jetzt geborenen und jüngere Kinder in Syrien ansieht, dann erkennt man wie die Hochkultur einer Jahrtausende alten Bevölkerung gezielt ausgelöscht und durch eine epigenetisch ( siehe dort) auf Gewalt geprägte Nachkommenschaft ersetzt wird. Das ist nach biologischen Erkenntnissen nicht umkehrbar.

http://www.n-tv.de/politik/Wenn-Erklaerungen-nicht-mehr-helfen-article12502876.html

Der Westen hat unter Mitschuld von Russland und China versäumt Assad zu Beginn seiner perversen Verbrechen zu stoppen,- damals war es möglich (aber man kann daraus und aus der Perversion aller singulären Gewaltherrscher bis in diese Tag lernen,- um nur Putin und Kim Yong Un zu nennen, - dass sie anzuhalten eigentlich immer gescheitert ist).

Neben der zerstörten Bevölkerung wird eines der ältesten menschlichen Kulturerbes platt gemacht:

http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/lesezeit/173865/index.html

 29.3.2014

Ergänzung:

Es gibt neue Bewertungen von Tests, die ich hier zitiere:

Computer und Technik | 2014-03-10 12:07:16

Praxistest: Fitness-Tracker helfen Nutzern kaum dabei, wirklich aktiver zu werden

"iPhoneWelt", Ausgabe 20.3.2014 testet sieben Geräte verschiedener
Hersteller in der Praxis / Für viele Sportarten ungeeignet / Messung
am Handgelenk meist sehr ungenau / Langfristige Auswertungen oder
Zielsetzungen oft nicht möglich / Zusatzfunktionen zur Schlafanalyse
unter Umständen sogar kontraproduktiv / Stromversorgung meist nur
über spezielle USB-Kabel und Datentransfer fast nur über Apps möglichMit der rasanten Verbreitung von Fitness-Apps für alle gängigen
Smartphones erfreuen sich auch sogenannte Fitness-Tracker immer
größerer Beliebtheit. Als eine Art digitale Schrittzähler sollen die
kleinen Geräte, die entweder in der Hosentasche oder am Handgelenk
getragen werden, im Tagesverlauf die Aktivität ihrer Nutzer
aufzeichnen und in dazugehörigen Apps auswerten. Um wirklich aktiver
und damit fitter zu werden, sind die meisten Fitness-Tracker jedoch
ungeeignet. Zu diesem Fazit kommt das Magazin "iPhoneWelt", das in
seiner neuen Ausgabe (03/2014, EVT 11. März) sieben aktuelle Modelle
zu Preisen zwischen 60 und 140 Euro in der Praxis getestet hat.



Obwohl die kleinen Geräte als Fitness-Tracker beworben werden, dreht
sich in der Praxis alles um die Aktivität von Fußgängern. Selbst wenn
Sportarten wie Radfahren oder Schwimmen in den Apps wählbar sind,
werden auch diese Aktivitäten stets in Schritte umgerechnet. Eine
verlässliche Auswertung ist so kaum möglich. Zudem kritisieren die
Tester deutliche Abweichungen zwischen den Messdaten von Trackern am
Handgelenk und jenen, die in der Hosentasche mitgeführt wurden. Im
Tagesverlauf registrierten die Armband-Tracker bis zu 30 Prozent mehr
Aktivität, da selbst Armbewegungen im Sitzen oder Stehen als Schritte
gezählt wurden.Eine langfristige Aktivitätssteigerung ist laut "iPhoneWelt" mit
Fitness-Trackern auch dadurch kaum möglich, da bei den meisten
Modellen die Aufzeichnung der Messdaten auf Tagesbasis im Vordergrund
steht. Die Auswertung mehrerer Tage oder gar Wochen ist oft ebenso
wenig möglich, wie das Setzen konkreter Zielvorgaben etwa für den
Kalorienverbrauch.Nicht nur wenig sinnvoll, sondern unter Umständen sogar
kontraproduktiv kann zudem die Zusatzoption vieler Fitness-Tracker
zur Schlafanalyse sein. Das Konzept: Der Tracker misst, wie oft und
stark man sich im Schlaf bewegt, und soll so Auskunft über einzelne
Schlafphasen geben. Nach Meinung von Experten sind ernstzunehmende
Ergebnisse auf diesem Wege jedoch nicht zu erzielen. Außerdem: "Wenn
man die Daten überbewertet, kann das zu Anspannung führen. Wer mit
dem Schlaf ohnehin Probleme hat, kann durch die ständige
Selbstbeobachtung noch angespannter sein und schläft noch
schlechter", warnt Hans-Günter Weeß, Leiter des Interdisziplinären
Schlafzentrums im Pfalzklinikum für Psychiatrie und Neurologie in
Klingenmünster, gegenüber "iPhoneWelt".In punkto Ausstattung der Tracker bemängeln die Tester, dass die
Stromversorgung meist über einen Akku erfolgt. Dieser muss in der
Regel einmal wöchentlich aufgeladen werden, wofür die Hersteller fast
immer spezielle Ladekabel beilegen. Haben Nutzer dieses nicht zur
Hand, kann der Akku nicht geladen werden. Lediglich zwei der sieben
Geräte im "iPhoneWelt"-Test laufen mit austauschbaren Knopfzellen,
deren Lebensdauer im Schnitt mehrere Monate beträgt. Außerdem ist der
Datenaustausch bei fast allen getesteten Trackern ausschließlich über
die Smartphone-App möglich. Nur bei einem Gerät war der Datentransfer
auch mit dem PC oder Mac möglich.  

 

 

 

25.3.2014

ÜberTracker,- was sie können und was nicht. Eine kritische und erstaunliche Übersicht.

Ich habe hier schon in meinem ISPO Vortrag und in dem Beitrag zu 2 Artikeln in der FAZ.net generell zu den neuen Tracker kritisch Stellung genommen.

Mit Thomas Mayer haben wir nun einmal zusammengestellt, was diese Instrumente eigentlich wirklich „messen“ und was daraus für weiteichende und meist falsche Schlüsse gezogen werden. Die meisten Systeme können mit Smartphones kommunizieren über zahlreiche verfügbare Apps, die aber auch nicht mehr aus den Daten machen können, als diese „liefern“: Wir beschreiben für jeden Typ Tracker (Typ) die „Technik“ soweit uns zugänglich. Irrtümer sind vorbehalten und werden bei entspr. Widersprüchen korrigiert.

 Version 13.3.2014

 

 

Von Fitnestrackern zur Bedeutung des Internet für die soziobiologische Ordnung des Menschen

(Zu Artikeln von F. Schirrmacher und Th. Rentsch in der FAZ, mein Vortrag auf der ISPO 2014).

 

Als ich den Artikel von F. Schirrmacher vom 3.3.2014 FAZ. net : „Das Armband der Neelie Kroes“ gelesen hatte und den von Theresa Rentsch , FAZ.net vom 11.3.2014: „Wie Strom durchdringt das Netz die Welt“, habe ich wieder an meinem Lieblingsthema, „Die soziobiologische Zukunft des Menschen“ weitergedacht und lege hier ein paar Gedanken nieder.


Ich beschäftige mich seit einer Weile mit dem „Quantified Self“, und der Zukunft des Internet für die menschliche Gesellschaft. Ich habe dies meine beiden letzten Vorträge eingebaut, die bald auf dieser Webseite abgelegt werden als PowerPoint- Dokumentation.

Zum Thema Tracker z. B. dieser Vortrag :

http://www.hesch.ch/images/pdf/staedterundSportISPO.pdf

 

 

Seit letztem Jahr zunehmend , dann aktuell seit der CES und der ISPO sind Tracker , die Schirrmacher beschreibt zum Vermessen vitaler Daten des Menschen im Alltag, bei der Arbeit , beim Sport und ganz allgemein im Leben schon fast zu einem „must“ bei der modernen Lebensgestaltung geworden. Ohne sich zu messen und vermessen, zu kontrollieren, zu kommunizieren und zu komparieren mit den anderen in dieser Gesellschaft, kann man nur noch ungenügend qualifiziert leben,- so scheint es.

Aber die Tracker sind des Kaisers neue Kleider.

Keines dieser Instrumente kann in Wirklichkeit, was es behauptet. Die Pulsrate wird ganz sicher technisch nicht korrekt erfasst (ich schreibe dazu gerade einen wissenschaftlichen Artikel). Die Bewegungsmessungen sind Artefakte, und einen Kalorienverbrauch oder gar VO2 kann man daraus überhaupt nicht ablesen.

Wenn dem nun also wirklich so ist, dann stellt sich die Frage, was soll der einzelne Mensch mit diesem, nennen wir es einmal „Datenmüll“ im Alltag eigentlich anfangen? Er dient dazu unsere Denk- und Gedächtnisneuronen mit sinnloser Information zu beladen und zu überladen, um darüber dann mit Dritten zu diskutieren und sich zu vergleichen. Schon das ist angesichts der individuellen Physiologie und Biographie ganz irrelevant.

Warum sage ich das?
Es gibt keinerlei anerkannte wissenschaftliche normative Referenzdaten, jedenfalls keine mir von einer der Trackerherstellern oder Sportphysiologen bekannten, anhand derer solche Messungen überhaupt einer individuellen Physiologie zugeordnet werden können. Es werden Informationen geliefert, die irgendetwas für den Körper und sein Leben Bedeutendes vorgaukeln ohne, dass man diese Informationen irgendeiner biographischen und physiologischen Bedeutung normativ zuordnen kann.

In Wirklichkeit sind diese Tracker nicht als was sie verkauft werden, nämlich als individuelle „Healthsport“- Berater (ISPO 2014). Es gibt gar keine individuellen und gesicherte Algorhythmen zur normativen persönlichen Bewertung, sondern sie sind , ohne dass der Nutzer das weiß, durch ihre Vernetzung über Smartphones und internationale Netze   riesige Datensauger. Was als Individualität „verkauft „ wird, dient in der realen Wirklichkeit den Überwachungssystemen und den schon vorhandenen gesellschaftlichen Kontroll- und Regelsystemen dazu, unseren Körper in seiner Mobilität in der Umwelt und Gesellschaft zu lokalisieren, Konsumgewohnheiten zu dokumentieren, gesprochene und gehörte Meinungsäußerungen in Videochats aufzuzeichnen, Gesehenes festzuhalten und dies alles einem Persönlichkeitsprofil des Betroffenen und seiner ihm zuzuordnenden Gesellschaft in multidimensionalen Netzwerken und deren sich teilweise schon selbst programmierenden Algorhythmen in Supercomputern festzuschreiben.