„ Forscher tüfteln am Training der Zukunft“

Im Spiegel vom 5.7.2014 wird über die hervorragende Arbeit von Prof. Joachim Mester im „Momentum“ der Sporthochschule Köln berichtet, einer Einrichtung , die vielbeachtete wissenschaftliche Aktivitäten im Sport betreibt

http://www.dshs-koeln.de/tws/momentumaton/

https://www.dshs-koeln.de/visitenkarte/person/univ-prof-dr-joachim-mester/

Prof. Mester ist dabei, wissenschaftlich haltbare Kriterien für die jedem Körper eines Sportlers eigenen Leistungsmöglichkeiten, Leistungsgrenzen, und deren Umfang zu definieren.

Diese Frage hat mich in meinem eigenen Training, dem meines Trainers und Trainierenden langjährig beschäftigt. Ich habe über meine eigenen Ergebnisse in einer Vorlesung an der Universität Konstanz berichtet vor Allem in Hinblick auf das sog. „Overtrainung“. Das ist die Posttrainingssituation, in der man Muskeln, kardiovaskuläres sowie neurophysiologisches System mit einem wie auch immer gearteten Training individuell und situativ überfordert hat. Es gibt bisher keine gültigen internationalen Definitionen für ein individuell ausreichendes, stimulierend- aufbauendes und ein den Organismus jeweils überforderndes Training.

Diese Aufgabe zu lösen hat sich Prof. Mester offenbar vorgenommen, wie man dem Artikel im Spiegel entnehmen kann. Er sucht nach objektiven Parametern, „ wie der Einzelne auf einen Trainingsreiz reagiert und regeneriert“.

Genau darum geht es seit Jahren und es ist mir unbegreiflich wie die seit Jahren obsoleten Pulsmessungen nun mit den neuen Trackern eine geradezu absurde Hype erleben. Inzwischen ist dies um reinen Marketing von Herstellern und Internet- Big Data – Geschäften geworden, vor denen gar nicht genug gewarnt werden kann:

http://www.hesch.ch/news/mensch-und-gesellschaft/151-der-wahnsinn-des-self-publishing-of-health-aufruf-zur-verweigerung

http://www.hesch.ch/news/mensch-und-gesellschaft/151-der-wahnsinn-des-self-publishing-of-health-aufruf-zur-verweigerung

http://www.hesch.ch/news/mensch-und-gesellschaft/142-tracker-was-sie-koennen-und-was-nicht-eine-kritische-uebersicht

Wir brauchen, wie Prof. Mester zu Recht fordert endlich verbindliche Parameter und Referenzwerte, in denen jeder Sporttreibende und jeder Hochleistungssportler seine Leistung, deren Steigerung im Training und deren Grenzen, wo möglich vor irreversible Schäden, definieren kann.

1.

Ähnlich wie Prof Mesters habe ich schon vor 15 Jahren die CK als Parameter propagiert und praktiziert. Lieder konnte ich keine Referenzwerte an einem größeren Kollektiv erheben. Die Frage war und ist: Welche CK- Anstiege sind bei welchem Training und bei welchem Individuum situativ als vertretbare Trainingsstimulation tolerabel und wann liegt ein „Overtraining“ mit verzögerter Regenation vor.

Neben der CK hatte ich daran gedacht eine Nachweismethode für freigesetztes Titin, das Halteprotein für Myosin im Sarkomer , aufzubauen. Heute weiß man, dass der Muskelkater vor Allem durch „gerissene“ Titinmoleküle zustande kommt. Diese Verletzung   produziert eine Entzündung im Muskel, welche die Schmerzen des Muskelkaters provoziert. Es wäre sehr wünschenswert, wenn man einen rasch durchführbaren Labortstest zur Bestimmung von Titinmolekülen hätte.

Bisweilen haben wir eine einmalige Cortison Dosis ( 15 mg Decortin zur Nacht nach einem „Overtraining) eingesetzt , um die Entzündung zu unterbrechen (subjektiv mit großem Erfolg, wissenschaftlich nicht geprüft an einem größeren Kollektiv), daher bedarf dieses einer Evaluation.

http://www.uni-heidelberg.de/presse/ruca/ruca1_2000/linke.html

2.

Ich bin also nach wie vor der Meinung, dass die reine Pulsmessung obsolet ist, im Gegensatz zur „Pulsraten- Variabilität“, die zu selten verfügbar gemessen wird (außer vielleicht bei Polargräten) und für die es auch keine internationalen Referenzwerte zur Fragestellung gibt. Das sollte aber in aktuellen Studien rasch erarbeitet werden können.

3.

Viel wichtiger als die obsolete Pulsmessung für eine kardiovaskuläre Fitness und mögliche Gefäßschäden durch Endotheleinrisse mit der späten Folge einer vorzeitigen Arteriosklerose ist der Blutdruckanstieg. Noch immer gibt es kaum sportmedizinische Untersuchungen dazu, geschweige denn Easy Tracker, die auch kontinuierlich Blutdruck unter Sport messen können. Welcher Blutdruck ist unter Sport tolerabel und wann setzt ein überhöhter Anstieg Schäden?

Bei mir selbst habe ich etwas Seltsames beobachtet. Auf dem Ergometer habe ich bei 300 Watt eine ausgeprägte Hypertonie, die zum Abbrechen zwang (nicht die nachlassende Leistung oder Luftnot).

Hingegen sinkt mein Blutdruck bei der Beinpresse z. B. bei 200 kg,- wie ist das zu erklären?

4. Ein bisher kaum beachteter Parameter kann die O2- Sättigung des Blutes sei, bisher nur in der Klink verwendet. Dieser ist nicht nur bei Hochgebirgskletterern sinnvoll , sondern auch bei Langstreckenläufern und anderen Hochleistungssportlern, bei denen eine leichte Cyanose eine zu starke Belastung anzeigen kann. Jetzt ist dies leicht selbst zu messen mit dem neuen „Puls O2“ von Withings:

http://www.withings.com/de/withings-pulse.html

5. Was unbedingt fehlt ist eine tragbare Einrichtung, welche Atemfrequenz beim Training misst. Diese hat eine bisher ungenügend berücksichtige Bedeutung im Training und Leistungssport:

http://www.medunigraz.at/physiologie/images/content/file/M23_Atmung_Belastung.pdf

6. Testosteron: Ich habe schon früher immer wieder daraus hingewiesen, dass “Overtraining“ zu einer Verminderung der Testosteron Sekretion führt. Jeder Hochleistungssportler sollte, bevor er in ein solches Training eintritt eine basale Testosteronkonzentration am Morgen gemessen bekommen und die Messung wiederholen, wenn er schwer oder ausdauernd trainiert. Niedriges Testosteron vermindert die Leistungsfähigkeit und es kann ein „Teufelskreis“ entstehen.

7. Myostatin. Um dieses, die Muskelmasse regulierende Protein, seinen Rezeptor und die vermutlichen Antagonisten aus der Gruppe der Wachstumsfaktoren, ist es leider wieder still geworden. Myostatin gehört zu der TGF-ß- (Transforming Growth Factor-ß) Superfamilie und gilt als negativer Regulator des Muskelwachstums. Nach allen vorliegenden Studien reguliert Myostatin generell die genetisch bedingte mögliche Muskelmasse bei jedem Menschen. Ob und wie „Muskelmasse“ mit Muskelleistungsfähigkeit zusammenhängt ist bisher nicht ausreichend untersucht., speziell im Zusammenhang mit den unterschiedlichen Muskelfasern und deren Anteil an „Leistung“ Es gibt aber inzwischen eine leicht verfügbare Methode Myostatinspiegel zu messen, wie das schon bei verschiedenen Erkrankungen geschehen ist. Es wäre interessant, Myostatinspiegel in Leistungs- und Belastungsphasen sowie Regeneration von Sportlern, speziell im Zusammenhang mit „Overtraining“ zu messen:

http://www.immundiagnostik.com/home/neues/produktneuheiten/produktneuheiten-einzelansicht/article/4/14/seite/1.html