Das Aufgeblasene: „Wir müssen die Medizin neu denke….“ Von Joachim Müller- Jung

http://www.faz.net/aktuell/wissen/heute-in-der-zeitung-wir-muessen-die-medizin-neu-denken-12995585.html

Joachim Müller Jung hat in der gestrigen FAZ vom 18.6. 2014 einen aufgeblasnenen Artikel geschrieben und gleich sein Stichwort "Genomrevolution" in der Überschrift vermerkt.  Er zitiert sich in die exklusive Gesellschaft der Genomik Gurus und ihrer industriellen und politischen  Adepten,  die seit 10 Jahren, als das Human Genom- Projekt fertig war , versuchen, uns dies als die dritte "industrielle Revolution zu verkaufen. Bis jetzt ist dies ein grosses wirtschaftliches Interessemonster mit begrenztem wissenschaftlichen Wert für die Menschheit insgesamt. Er vergleicht es mit der Mondlandung, deren Gewinn für die Menschheit auch noch offen ist. Absurd ist  allerdings der Vergleich mit der Erfindung der Impfung. Und dann begibt er sich in die "Medizin". Den dort beschriebenen Projekten, einschliesslich des von Dietmar Hopp, dem Chef von SAP initiierten, fehlt bis jetzt jeglicher haltbarer Horizont. Darüber gilt es nachzudenken, was ich in den nächsten Tagen hier tun werde.

 

Fortsetzung 22.6.2014

 

Das Aufgeblasene: „Wir müssen die Medizin neu denke….“ Von Joachim Müller- Jung

http://www.faz.net/aktuell/wissen/heute-in-der-zeitung-wir-muessen-die-medizin-neu-denken-12995585.html

Fortsetzung 21.6. 2014

 

Etwas peinlich ist, wie Müller- Jung mit Kritikern der „ Genomrevolution“, wobei er dieses Wort vollmundig übernimmt, umgeht. Außer Frage steht, dass die heute mögliche totale Sequenzierung mit inzwischen beachtlich geringerem und für jeden erschwinglichen finanziellen Aufwand wegweisende Einblicke in die Evolution des Menschen allgemein die des Individuums im Besonderen gibt und geben wird. Nur eines ist zur Zeit auch ziemlich sicher, dass nämlich die „molekulare Profilierung“ des einzelnen Menschen weder eine exakte Prognose über ein allfälliges Tumorrisiko abgibt, da nur wenige Gene in diesem Zusammenhang krankheits- und tumorbestimmend dominant sind, und die vielen bisher bekannten Polymorphismen, erst recht die heterozygoten ein Risiko alleine allenfalls nur im Zusammenhang mit anderen Faktoren kaum definieren. Lehrstück ist hier die Erfahrung mit den Brustrisiko Genen, die viel zur Bewertung der klinischen Relevanz der genetischen Tumordiagnostik beigetragen hat und auch recht öffentlichkeitswirksam geworden ist.

Fraglich ist allerdings, ob man von einem allgemeinen „statistischen Krebsrisiko“ ausgehend durch eine Sequenzierung der einzelnen Mitarbeiter in einem Industrieunternehmen wie SAP, deren potentielles Krebsrisiko bestimmen kann und ob man hier nicht leichtfertig „gesunden“ Menschen durch eine sog. „personalisierte Krebsdiagnostik und ein personalisiertes Informationsmanagement“ etwas vorgaukelt, , - große Worthülsen, deren Substantiierung wissenschaftlich durch keine Studie hinterlegt ist.

Ganz irrational abgehoben wird es dann wenn Müller – Jung schreibt, dass die durch genetische Sequenzierung bestimmten Krebstherapien von gegenwärtig. 25 % auf 75 % Erfolgsaussicht ansteigen werden. Das sind grob – fahrlässige Marketingbehauptungen aus der Genom Industrie und deren Marketing im  Journalismus, für die es bislang keine wissenschaftliche breite Studie gibt.

Was der Autor in seiner vom Gestrigen, dem Genom, bestimmten Argumentation gar nicht erst erwähnt, sind die Ergebnisse der seit 10 Jahren , also unmittelbar nach Beendigung des Genomprojektes, laufenden Forschungen der Epigenetik, welche möglicherweise viel mehr zum Verständnis eines biographischen Krankheits- und Krebsrisikos sowie deren Therapie beitragen werden, als eine Genomdiagnostik .Letztere ist die Hardware der menschlichen Biographie in dieser rasanten Entwicklung um die Genetik, - Epigenetik jedoch ist die Software, die daraus erst „Information zum Leben “ macht, also die Biographie eines Menschen und seines Genoms wesentlich moduliert und damit Gesundheit und Krankheit in der Auseinandersetzung mit der Umwelt.

(siehe dazu meine Beiträge auf dieser Website).

Die „Hardware- Genomiker“ und ihre auch im Artikel erwähnten Marketingpartner im Wissenschaftsbereich suchen nun in der Genomik für deren Anwengung in der Medizin zu retten, was zu retten ist, aber viel von dem im Artikel von Müller- Jung Erwähnten scheint mir nach gegenwärtigen Wissensstand übertrieben und weckt in der Öffentlichkeit falsche Erwartungen.

Ich denke, dass eher die Epigenetik die „Neuvermessung der Gesundheit“ zulassen wird.