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Ich habe nun das Kapitel „Geschäfte“ gelesen Das ist in diesem neumodischen Satzbaustil und Sound geschrieben, in welchem es modern geworden ist, die Welt aus der Sicht verkommener drogenabhängiger Banker , deren Freunden und Familien, zu interpretieren. Diese Stories umgeben uns ja beinahe täglich, schlimmer, sie beeinflussen deutsche und internationale Politik tief bis in unsere Gesellschaft. Die Journaille hat dies allerdings schon bis zum Exzess  durchgekaut, warum also nun ein Romankapitel? Der  Text ist in Schreibstil, Ausdrucksweise und Erlebniswelt nicht weit weg von Joachim Bessings  „untitled“. Dort die extreme Ichforschung in einer verlogenen Welt der high Society im Fashionbereich und der modischen elektronischen Liebe, noch belangloser, radikaler und hautnaher als die Welt der Banker. Faszinierend diesen Zeitwandel zu lesen.

 In der ZEIT im April stand folgendes darüber:

„…vielleicht ist diese Art Fundamental- und Extrem-Erotik, das Besessensein von Körpern, gerade für die hochabstrakte Kunst, mit Worten der Schrift die Welt zu erfassen und zu erzählen, die wichtigste Voraussetzung, wichtiger als Denken, Sprache, Interesse, Wissen. Die Gewalt dieser Dinge hält man nur aus, wenn man selber, naturgegeben von der Frühe des Lebensmoments, von Jugend und Aufbruch ins Dasein, gewaltbereit und kraftberstend diesen Gewalten des Neuen begeistert entgegentritt“,- ein starker Kritikertext.

Was sind die „Gewalten des Neuen“? Eine Zerstörung des Ichs und eines Menschen angeblich durch die Liebe in einer korrupten und von Drogen kaputten Gesellschaft wie Erik sie auch in der Bankenwelt erlebt. Aber das ist doch auch schon Alltag in Hochglanzmagazinen und im Fernsehen geworden.

Wir sind also in der Zeit des Post- Popromans angekommen, wo jeder jeden und den Zeitgeist kopiert, Ist das nun wirklich wichtiger geworden  als Denken, Sprache, Interesse, Wissen? Da läuft es einem eiskalt über den Rücken,- aber ich gestehe, der Autor mag recht haben, nur „Sprache und Interesse“ sind  an dieser Stelle fehl am Platze, sonst könnte ich es so geschrieben haben.....

In meiner Fiktion über „F“ könnte ich  mir ausdenken dass Rowohlt Bessing gebeten hat, dieses Kapitel dem Buch „F“ beizusteuern?