Bücher, Musik & Kunst

Heute, am 24.11.2014 beim Aufräumen und sortieren vor dem Umzug und  schlussendlich auch  aussortieren,- habe ich zwei sehr entgegengesetzte Bücher in meiner Bibliothek gefunden, die mich beide seit Jahren fazinieren und die in die moderne „gender“-Diskussion passen.

Das Buch und gleichermaßen der authentische Film dazu: „L`amant“ von Marguerite Duras hat mich immer bewegt, - meist fange ich es vom Schluss an. Dieser Schluss gehört zum Ergreifendsten, was ich in der Liebesliteratur je gelesen habe. Ich lese diese Passage immer wieder und ich lese sie vor und beginne dann am Anfang.....

http://www.dieterwunderlich.de/Duras_liebhaber.htm

Ganz anders das Buch “Giovannis Zimmer“ , von James Baldwin.

„…in spannungsgeladener Dichte, mit künstlerischem Takt und souveräner Offenheit….“ beschreibt der Klappentext, die Dramatik dieser gleichgeschlechtlichen, ebenfalls unglücklichen Liebe.

http://www.versalia.de/Rezension.Baldwin_James.1447.html

 

 

Haruki Murakami: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki.
http://www.swr.de/swr2/literatur/buch-der-woche/murakami-pilgerjahre-des-herrn-tazaki/-/id=8316184/nid=8316184/did=12702130/1b7u5bv/

Roman. Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe.

Ich weiß nicht, wie sich das Buch in Japanisch liest und wie diese Sprache Emotionen, Dinge, Musik beschreibt, ich kann aber empfinden, was die Übersetzerin uns mitteilen will. Vielleicht klingt japanisch so in Deutsch, wenn man es lange genug erlebt und geschrieben hat? Es klingt gut und es erinnert mich an Nishida „Über das Gute“. Die kurzen Sätze, das Präzise, dass in eine melancholische Poesie übergeht, die man erst merkt, wenn man selbst darin aufwacht. Besonders im ersten Teil dieser als unerhört oft rezensierten Geschichte wird man fortgerissen in den Strudel einer eigentlich nicht wirklich „aufregenden“ psychologischen Kriminalgeschichte,- nein, es ist nicht die zwar raffiniert aufgebaute Vergewaltigung- und Mordgeschichte, die einen schwachen Menschen zu Unrecht trifft und an deren Anschuldigung er fast zu Grunde geht,- es ist die Tonlage seiner Romankomposition, die einen teilweise sehr fasziniert.

Ein stark lesenswertes Buch, über das ich noch weiter berichten werde.

....wenn er nicht mit seinem Verleger in einem Facel-Vega:

http://www.facel-vega.com/

zu Tode gekommen wäre,- heftige Leben enden oft so, wie man auch dieser Tage wieder sehen kann. Das ist der Mythos von Sysiphos und das Sinnlose etwas verstehen zu wollen.

Es gibt ein lesenswertes Buch über diesen Dichter des Existenztialismus, dessen Denken mich zeitlebens  beeinflusst hat:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/martin-meyer-im-gespraech-camus-ist-eine-karge-kammer-12719314.html

 

„Von der Schönheit“

Schon dieser Titel ist eine Fälschung, noch eine Betrugsgeschichte, - faszinierend.

Immerhin beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass ein eineiiger Zwiling seines Bruders auch homosexuell ist, mehr als 50 % . War der verheiratete Erik vielleicht doch schwul oder mindestens bisexuell,- wichtig für die Lebensgestaltung von Erik und Iwan ist das ja nicht. Es geht nur um Fälschungen und die sind genderunabhängig.

Jedenfalls fälscht Iwan. Der einzige, der wirklich die Fälschungen ahnt, ist Lindemann, der das alles begonnen hat,- vielleicht der Vater. Ich wüsste zu gerne, wer dies Kalitel geschrieben hat, tut man doch einen tiefen Blick in die phantastisch verlogene Welt der Kunst und ihres Handels. Beim Lesen des Schlusses dieses Kapitels benutzt der Autor eine Sprachmelodie oder deren Geruch, dass einem das Gefühl beschleicht, Rauschmittel einzuatmen,- das ist mir beim Lesen von Texten noch nie passiert,- wahrscheinlich ist Iwan da schon tot und so werden wir nie erfahren, wer das Kapiel geschrieben hat.

Im Spiegel 47, 2013 beschreibt der Kunsthändler Neuendorf , dass der Kunstmarkt getragen wird von den Superreichen der Welt für die Geld keine Rolle spielt , nur die Macht und Besitz, egal wie er zustande gekommen ist. Steven Cohen, ein Hedgefond Milliardär hat sich einen Koons für viele Millionen gekauft, obwohl er gar nicht weiss, was er damit anfangen soll,- alles andere hat er schon. Diese Leute leben in einer real fiktiven Parallelwelt von Betrügern und Hasardeuren und dort bewegt sich „F“.

Ist das relevant für uns Leser?

Im heutigen FOCUS steht die Liste der reichsten Deutschen:

 

Die Eigentümer der Discount-Handelsketten Aldi und Lidl bleiben nach Berechnungen des „Manager Magazins“ die reichsten Deutschen. Die Familie des 93 Jahre alten Karl Albrecht (Aldi Süd) liegt in der am Montag veröffentlichten jährlichen Rangliste der Zeitschrift mit 17,8 Milliarden Euro ganz vorne, gefolgt von den Angehörigen seiner Neffen Theo Albrecht junior und Berthold (Aldi Nord) mit 16 Milliarden Euro. Berthold Albrecht war Ende 2012 gestorben. Auf Platz drei rangiert Dieter Schwarz, der Eigentümer der konkurrierenden Einzelhandelskette Lidl.

 

Für die 100 reichsten Deutschen hat das „Manager Magazin“ ein Vermögen von 336,6 Milliarden Euro errechnet, fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor – und mehr als 2008, als sie auf 324,6 Milliarden kamen. Die Staatsschulden- und Euro-Krise habe die Milliardäre damit nicht getroffen. Insgesamt gibt es nach der Rangliste inzwischen 135 Milliardenvermögen in Deutschland. Vor einem Jahr waren es noch 115.

 

                       

Bei Bankern traden lassen oder teure Kunst kaufen, das muss ja der normale Bürger nicht, also muss er eigentlich auch „F“ nicht lesen, aber Essen und seinen Haushalt finanzieren, das muss jeder. Und, dass ausgerechnet in diesem Bereich die meisten Milliardäre in Deutschland verdienen, das wäre doch ein kritisches Thema in einem Land, wo es Straßenkinder und bald eine große Koalition gibt?

Ich lese das Buch nicht mehr weiter, es gefällt mir  trotz seines brillianten Schreibstils nicht, weil die Geschichten zwar amüsant sein mögen, aber der Blick auf unsere Gesellschaft engstirnig, was natürlich erlaubt ist solange es unterhält und am Nachdenken hindert.  Im Interview in der Süddeutschen Zetung Magazin sagte ein Autor, dass mehrere Geschichten immer wieder neu umgeschrieben worden sind,- da sind wir dann bei meinem ersten Beitrag gelandet.

Es wird viel gelesen und gelobt und in der Literaturkritik geht es zu wie in der Mode und der Kunst und dann sind wieder dort gelandet.

http://www.kehlmann.com/

Ich habe nun das Kapitel „Geschäfte“ gelesen Das ist in diesem neumodischen Satzbaustil und Sound geschrieben, in welchem es modern geworden ist, die Welt aus der Sicht verkommener drogenabhängiger Banker , deren Freunden und Familien, zu interpretieren. Diese Stories umgeben uns ja beinahe täglich, schlimmer, sie beeinflussen deutsche und internationale Politik tief bis in unsere Gesellschaft. Die Journaille hat dies allerdings schon bis zum Exzess  durchgekaut, warum also nun ein Romankapitel? Der  Text ist in Schreibstil, Ausdrucksweise und Erlebniswelt nicht weit weg von Joachim Bessings  „untitled“. Dort die extreme Ichforschung in einer verlogenen Welt der high Society im Fashionbereich und der modischen elektronischen Liebe, noch belangloser, radikaler und hautnaher als die Welt der Banker. Faszinierend diesen Zeitwandel zu lesen.

 In der ZEIT im April stand folgendes darüber:

„…vielleicht ist diese Art Fundamental- und Extrem-Erotik, das Besessensein von Körpern, gerade für die hochabstrakte Kunst, mit Worten der Schrift die Welt zu erfassen und zu erzählen, die wichtigste Voraussetzung, wichtiger als Denken, Sprache, Interesse, Wissen. Die Gewalt dieser Dinge hält man nur aus, wenn man selber, naturgegeben von der Frühe des Lebensmoments, von Jugend und Aufbruch ins Dasein, gewaltbereit und kraftberstend diesen Gewalten des Neuen begeistert entgegentritt“,- ein starker Kritikertext.

Was sind die „Gewalten des Neuen“? Eine Zerstörung des Ichs und eines Menschen angeblich durch die Liebe in einer korrupten und von Drogen kaputten Gesellschaft wie Erik sie auch in der Bankenwelt erlebt. Aber das ist doch auch schon Alltag in Hochglanzmagazinen und im Fernsehen geworden.

Wir sind also in der Zeit des Post- Popromans angekommen, wo jeder jeden und den Zeitgeist kopiert, Ist das nun wirklich wichtiger geworden  als Denken, Sprache, Interesse, Wissen? Da läuft es einem eiskalt über den Rücken,- aber ich gestehe, der Autor mag recht haben, nur „Sprache und Interesse“ sind  an dieser Stelle fehl am Platze, sonst könnte ich es so geschrieben haben.....

In meiner Fiktion über „F“ könnte ich  mir ausdenken dass Rowohlt Bessing gebeten hat, dieses Kapitel dem Buch „F“ beizusteuern?

 

 

 

Wer ist Daniel Kehlmann ?

Ich lese gerade ein Buch von einem Autor, der sich Daniel Kehlmann nennt, es heisst „F“.

„Daniel Kehlmanns Roman ist ein virtuoses Kunstwerk und zeigt auf vielschichtige, geheimnisvolle Weise, was die Kraft der Fiktion im Leben bewirken kann.“

Während des Lesens interessierte ich mich mehr und mehr für diesen Autor und wollte ihm schreiben. Er hat eine Homepage: http://www.kehlmann.com/ und wenn man auf Kontakt klickt kommt ein Formular des Rowohlt Verlages und bei „ seinem“ Impressum überhaupt nur der Rowohlt Verlag.

Auf Wikipedia wird liest man: „Daniel Kehlmann ist der Sohn des Regisseurs Michael Kehlmann und der Schauspielerin Dagmar Mettler. Sein Großvater war der expressionistische Schriftsteller Eduard Kehlmann, der in Wien gelebt hatte.“

Es gibt auch Fotos von ihm.

und man erfährt seine Bücherliste und seine Dozenturen und Preise und vor allem erfährt viel über seine Neigung zu Fiktionen und gerade das interessiert mich.

 

Gerade habe ich über das Buch von Krauss in „Bücher, Musik und Kunst“ berichtet, in welchem Kraus einen „Beweis gegen Gott“ beschrieben hat. Da erscheint dann im SPIEGEL vom 9.9.2013 ein Artikel, dass der österreichische Mathematiker Gödel:

http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_G%C3%B6del

einen mathematischen Gottesbeweis um 1941 begonnen hatte, aber erst 1970 publizierte:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/formel-von-kurt-goedel-mathematiker-bestaetigen-gottesbeweis-a-920455.html

nachzulesen unter:

http://arxiv.org/abs/1308.4526

Gott könne man also durch „Denken“ mathematisch beweisen?

Der Philosoph Markus Gabriel (ZEIT Philosophie Nr. 25, 2013, Seite 45) schreibt „Können wir die Welt denken“ und er zeigt die Grenzen des menschlichen Denkens:“Es gibt einfach keine Regel und kein Gesetz, die für alles Genannte zuständig sind.“ Das heißt: «Denken können Menschen nur in den biologisch vorgegebenen Dimensionen der Evolution ihrer selbst auf der Erde» (Hesch).

Menschliches Denken, kann eine „Imagination Gott“ zwar gemäss Gödel als „Wesen, das alle positiven Eigenschaften auf sich vereint“ hervorbringen, dieses aber ist gemäss der Eigenschaft des menschlichen Denkens ein logisches Denkkonstrukt. Das kann man von mir aus auch als „Beweis“ gelten lassen, aber das geht eben nicht über die von uns Menschen angenommene Logik unseres begrenzten Denkens der Welt hinaus. Letztlich kann man mit dieser Mathematik beweisen, dass der Mensch „glauben“ kann.