Auszug aus dem Buch „ABSOLUT MANN“

Altern ist ein sehr komplexer Prozess, der in unterschiedlichen Organen zu unterschiedlichen Zeitpunkten abläuft. So altert beispielsweise das Gehirn bereits ab der Geburt mit rasanter Geschwindigkeit, während die Alterungsvorgänge bei den Knochen erst ab dem 20. Lebensjahr einsetzen. Hauptsächlich sind es nämlich Schäden am Genom, die uns altern lassen. Solche Gendefekte können von den Eltern vererbt sein – man spricht dann von angeborenen Mutationen. Hierunter fallen auch genetische Veranlagungen für Krankheiten (wie beispielsweise Krebs, Arthrose, Diabetes und Glaukom).

Die sogenannten Polymorphismen (von altgriechisch poly = viel und morphe = Gestalt) repräsentieren nicht nur die genetische Vielfalt der Menschheit, sondern bedingen auch die Unterschiede zwischen menschlichen Individuen, denn sie bergen Körper- und Gesundheitsmerkmale, aber auch Krankheitsrisiken in sich. Bei Männern kann beispielsweise eine kleine Mutation im Gen, das für den Östrogen-Rezeptor zuständig ist, eine vorzeitige koronare Herzkrankheit auslösen. Weitere angeborene Mutationen führen zu Darmkrebs, vorzeitiger Arteriosklerose, Alzheimer-Krankheit und Amyloidose, einer krankhaften bindegewebsartigen Ablagerung faseriger Protein an Organen wie Leber, Herz, Lunge oder Nieren.

Schließlich können genetische Defekte aber auch im Verlauf einer Zellteilung spontan auftauchen; in diesem Fall spricht man von einer erworbenen somatischen Mutation. Hierbei kann es sich nur um einen kleinen Schaden handeln; treten Mutationen aber vermehrt auf, so bewirken sie das Altern der Zelle. Ein Schutz der Gene, ein „Erbschutz“, ist also „Altersschutz“ – es gibt heute gute Möglichkeiten, in diesem Sinne schützend tätig zu werden.

Wie können sich Gendefekte überhaupt bemerkbar machen? Wie bereits erwähnt, legen sich bei der Kernverschmelzung die entsprechenden (analogen) Chromosomenstränge aneinander; dabei können auch ganze Genabschnitte gegeneinander ausgetauscht werden (freie Rekombination der Gene). Gene sind aber nicht gleich Gene: Man kennt so genannte dominante Erbanlagen, die ihr entsprechendes Gegenstück auf dem Schwesterstrang „unterdrücken“ und nur die eigenen gespeicherten Merkmale ausprägen. Das ist ein sehr sinnvoller Mechanismus der Natur, da auf diese Weise geringfügige Mutationen, die sehr häufig auftreten, durch die unveränderten, nicht mutierten Gegenstücke kompensiert werden. Die unterdrückten, im Fachjargon als rezessiv bezeichneten Gene haben aber dennoch eine Chance, sich zu „verwirklichen“: nämlich wenn bei der Rekombination zwei rezessive Gene aufeinandertreffen – oder wenn das Gegenstück ein Y-Chromosom ist.



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