Immer wieder berichten die Medien davon, dass Sportler bei der Dopingkontrolle „erwischt“ wurden. Auch einige Bodybuilder kamen so in die Schlagzeilen. Doch nicht jede Hormongabe ist gleich ein Dopingfall, denn man unterscheidet grundsätzlich drei Anwendungsbereich:

1. Natürlicher Hormonersatz:

Wenn der Arzt einen Hormonmangel feststellt, kann man von außen Hormone zuführen, um diesen „Mangel“ wieder auszugleichen. In diesem Falle spricht man von Hormonersatz. Solange man mit den Hormongaben im Normalbereich bleibt, hat der Hormonersatz mit Doping rein gar nichts zu tun.

Testosteron: Viele Männer, die ständig im Stress sind, haben zu wenig Testosteron im Blut – das Hormongleichgewicht ist gestört, weil die Nebennierenrinde vergleichsweise zu viel Cortisol produziert. Neuderdings gibt es pflanzliche und synthetische „Blocker“ der Cortisolsynthese in Bodybuildingshops – wir raten jedoch zur Vorsicht, denn die Wirkung dieser Präparate ist weder klinisch nachgewiesen noch sind die Nebenwirkungen bekannt.
Auch ältere Männer bilden zu wenig Testosteron. Wünschenswert ist eine Konzentration zwischen 6 bis 8 ng/ml (Nanogramm pro Millliter), der Normalbereich geht von 3,5 bis 12 ng/ml. Ein Hormonmangel liegt dann vor, wenn die morgendlichen Testosteronkonzentration unter 3,5 ng/ml und der Abendwert bei 2 ng/ml liegen. Liegt der morgendliche Testosteronwert unter 5 ng/ml, so gelingt ein Fettabbau fast nie und ein Muskelaufbau gar nicht. Demnach ist es also eine vergebliche Liebesmüh, sich jahrelang zu quälen – mit einem höheren Testosteronspiegel wäre der Erfolg sicher.
Wichtig: Wenn ein Mann seinen Testosteronmangel mit synthetisierten Hormonen ersetzt, muss der Arzt die Hormonmengen im Blut regelmäßig kontrollieren, damit er nicht zu viel Testosteron gibt und den „normalen“ Referenzbereich nicht überschreitet; aber auch eine Unterdosierung ist zu vermeiden.
Für den Hormonersatz bei der Frau gilt im Prinzip das Gleiche. Im Buch „Absolut Frau“ ist der Hormonersatz für die Frau sehr umfangreich und informativ dargelegt.

DHEA: Jahrelange Studien haben inzwischen gezeigt, dass ein Mangel an DHEA (Dehydroepiandrosteron), einem Nebennierenhormon, zu nachlassender köreprlicher Leistung, Muskelabbau und Fettgewebsvermehrung führen kann. DHEA gilt als Vorstufe für Testosteron beim Mann und für Östrogen bei der Frau: Bei Konzentrationen unter 500 bis 800 ng/ml – besonders beim Mann über 50 Jahre – kann der Arzt DHEA ersetzen, beginnend zum Beispiel mit 25 Milligramm, um dann auf 50 Milligramm zu steigern. So bleibt man im normalen Referenzbereich, es handelt sich also um einen Hormonersatz und nicht um Doping.
Bitte bedenken Sie: Es gibt eine seriöse kritische wissenschaftliche Diskussion, die darauf hinweist, dass DHEA beim Mann kaum die erwünschten und versprochenen Wirkungen hat, die von so genannten Antiaging-Ärzten erwähnt werden und die rein spekulativ sind – also Vorsicht.
Bei der Frau wirkt DHEA ganz anders: Es kann sich positiv auf die Stressfähigkeit, die körperliche Leistung und die Emotionen auswirken, und es wurde berichtet, dass sich dadurch die Stimmung und das Wohlbefinden verbessern können.

Wachstumshormon: Etwa vom 50. Lebensjahr an produziert der Körper immer weniger Wachstumshormon und wahrscheinlich gehen dann mit der Zeit auch die wachstumshormonabhängigen Funktionen des Körpers verloren.
Unter Medizinern gibt es immer wieder Diskussionen, ob der Mangel an Wachstumshormonen ersetzt werden soll oder nicht – und zwar speziell dann, wenn es um den Fettabbau und den Muskelaufbau geht. Ich bin der Meinung, dass Wachstumshormon bei nachgewiesenem Mangel mit klinisch darstellbaren Folgen versucht werden kann. Die optimale Dosis lässt sich heute jedoch noch schwer bestimmen. Die Erfahrung zeigt: Je später man mit dem Ersatz beginnt, desto weniger erreicht man mit dieser Maßnahme.
Getestet wird dafür IGF-1, der Vermittler der Wachstumshormonwirkung: Wenn er deutlich unter der Altersnorm liegt, kann man für drei Monate einen Versuch mit täglich langsam steigenden Dosen an Wachstumshormon machen. Zur Kontrolle werden die Werte ständig im Labor gemessen. Ziel der Behandlung ist es, mit dem IGF1-Wert in den Bereich eines 30-Jährigen zu kommen.

Schilddrüsenhormone: Nicht selten – bei der Frau häufiger als beim Mann – findet man fast stumme Schilddrüsenentzündungen (Immunthyreopathie), wobei die Antikörper selbst das Fettgewebe stimulieren können. Für die Laboruntersuchung sollte der Arzt den sonst nicht mehr nötigen TRH-Test anwenden. Häufig lässt sich dann eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) feststellen. Ohne eine ausreichende Konzentration von Schilddrüsenhormon ist die Wärmeproduktion in den Zellen (Mitochondrien) vermindert, das heißt der Organismus wird seine Energie nicht los.
In solchen Fällen hat es sich als besonders hilfreich erwiesen, als Ersatz eine Kombination von Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) zu wählen. Darüber hinaus muss man bei Übergewichtigen einen Zuckerbelastungstest durchführen, um eventuell eine Zuckerstoffwechselstörung rechtzeitig zu erkennen. Oft begleitet diese das Übergewicht, kann aber auch Ursache dafür sein. In jedem Fall bessert sich ein solcher Typ-II-Diabetes durch Gewichtsabnahme und Training. Ein therapeutischer Eingriff ist aber nur dann sinnvoll, wenn der HBA1-Wert über 6,5 Prozent liegt.

 

2. Hormonbehandlung:

Wenn Männer einen Hodenschaden und in dessen Folge häufig eine allgemeine Leistungsminderung, nachlassende Sexualität, Depressionen und eine Osteoporose nach Mumps bekommen, sind Hormonbehandlungen mit höheren Dosen – zum Beispiel 250 Milligramm Testosteron alle drei Wochen – möglich. Das Hormon wird immer noch intramuskulär injiziert, aber auch hier ist eine höhere Hormondosis mit Gel heute die Standardtherapie.
Die Injektionsmethode ist schon veraltet, weil die Testosteronmenge in der ersten Woche zu hoch liegt, also im „Dopingbereich“. In der zweiten Woche ist die Menge angemessen, aber in der dritten Woche „leidet“ der Mann, weil er zu wenig Testosteron im Blut hat. Da nur der Arzt bzw. die Arzthelferin Spritzen verabreichen darf, eignet sich diese Methode nicht für den natürlichen Hormonersatz im Lifestyle-, Sport- und Trainingsbereich.

 

3. Doping:

Wenn Sportler künstliche männliche Hormone in Mengen von 250 bis 1000 Milligramm pro Woche zu sich nehmen, fällt das unter den Begriff Doping: Solche Eingriffe in die menschlichen Körperfunktionen sind gesetzlich verboten und haben mit dem Hormonersatz nichts zu tun (siehe auch Biochemisches Institut der Sporthochschule Köln, IOC akkreditiertes Labor für Dopinganalytik, www.dopinginfo.de).
Zur Verhütung beim Mann werden übrigens ähnliche Mengen an Testosteron empfohlen: Interessent ist dabei, dass dieselben Experten, die das Doping verdammen, nunmehr verkünden, solche Dosierungen hätten keine Nebenwirkungen – das ist eine zweifelhafte Doppelmoral von Experten und Gremien.