Beitrag 4.3.2014

 

Erhöht Testosteron das Risiko einer koronaren Herzkrankheit?

Nur wenige Themen werden in der Medizin streitbarer diskutiert, wie die Östrogensubstitution bei Frauen und Testosterongaben bei Männern. Aus den Diskussionen der „wissenschaftlichen“ Literatur konnte man immer wieder lernen, dass eine identische Datenlage zu entgegengesetzter Interpretation führen kann und, dass Datenlagen unstimmig gewonnen wurden.

Letzteres trifft sicher für die mit großer Publizität gerade veröffentliche he Studie von Finkle und Mitarbeitern in PlosOne vom 24.1. 2014 (http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0085805).

Die Studie ist umfangreich angelegt und umfangreich statistisch ausgewertet und breit publiziert. Ich war zunächst äußerst beeindruckt von den Ergebnisse, die mich auch persönlich betroffen machten, habe ich doch seit 20 Jahren den Hormonersatz bei Männern mit niedrigen Testosteron empfohlen. Ich tat das allerdings unter strenger Maßgabe von sorgfältig erhobenen Daten und Kontrollen, über die ich auf meiner Website ausführlich eingegangen bin. Trotzdem beunruhigte mich auch selbst ein mögliches Risiko von Herzinfarkt im Zusammenhang mit der Hormonbehandlung beim Mann ganz unabhängig von Indikation und Kontrollen.

 

Als ich die Finkle- Studie dann aber genauer „ unter die Lupe“ nahm, kamen doch erhebliche Mängel hervor.

Die Indikation, warum überhaupt Männer unter 65 Jahren und solche über 65 Jahren mit schon vorbestehender koronarer Herzerkrankung Testosteron bekamen ist nicht aufgeführt. Es wurde keine Blutwerte über den Hormonstatus, Blutbild, Hämatokrit, Fettstoffwechsel und Prostata - PSA mitgeteilt, weil sie wohl gar nicht erhoben oder nicht mit publiziert wurden. Die geschieht ja leider oft, wenn man einen Studie in eine bestimmte Richtung interpretieren will, wie das auch bei der Women`s Health Studie passiert ist, deren beunruhigende Ergebnisse man später mit relevanten Daten korrigieren musste.

Es wurden Männer untersucht, denen Testosteron offenbar aus „Lifestyle“- Gründen verordnet wurde und das sog,“ Kontrollkollektiv“ war genauso ungenügend, denn es bestand aus Männern, denen erektionsfördernde Medikamente wie Viagra verordnet wurden. Das ist nun absolut unhaltbar als wissenschaftliches Vorgehen.

Die Studie besticht mit einer methodisch sehr exakten Datenauswertung und deswegen irritiert sie zu Anfang so, denn sie kommt sehr seriös wissenschaftlich daher wie das oft bei US – amerikanischen Studien der Fall ist. Die amerikanische Wissenschaft ist extrem auf sorgfältige statistische Designs und deren Schlussfolgerungen getrimmt, und dort hat sie ein sehr hohes Niveau, das europäischen Studien lange Zeit fehlte.

Nur ist Medizin eben nicht oder nicht nur „evidence – based“ Analytik, als was sie uns speziell aus USA lange Jahre vorexerziert wurde. In einer kontroversen Pro/Kontra Diskussion mit dem WHO Repräsentanten der „evidence – based medicine“ vor einigen Jahren in Bregenz habe ich ziemlich überzeugend die wissenschaftlich Substanz der „evidence- based medicine „ kritisch in Frage gestellt Daraus ist in jüngster Zeit , die von mir vor ebenfalls einigen Jahren mit anderen postulierte „individuum- based medicine“ nun auch international entstanden.

Die Arbeit von Finkle „blendet „ genau so, denn wieder wird die Auswertung bewertet und nicht der Eingang in die Studie. Der ist aber wichtig, wenn man Menschen und Patienten untersucht denn so beginnt wissenschaftlich korrekte Medizin,- am Menschen.

Weder die Dosis der Verschreibung von Testosteron, dessen Kontrolle an die ausgewählten Männer noch das Kontrollkollektiv halten einer wissenschaftlich haltbaren Analyse stand.

Das ist sehr bedauerlich, denn alle Männer hätten gerne Klarheit, was denn nun für sie gut oder eben nicht ist. Nun sind wir in genau die gleiche Situation wie die Frauen mit ihrer weiblichen Hormonbehandlung gekommen, verunsichert durch nicht eben brauchbare Studien und deren Propaganda durch die Presse, die ja immer alles aufbauscht, bis niemand mehr klar sieht.

Wie bei den weiblichen Hormonen muss eine fundierte wissenschaftliche Studie her, aber die führt eben niemand durch, weil das finanzielle Interesse schon aus patentrechtlichen Gründen niemand hat.

Für mich ist es schwer immer wieder gegen nicht gut gemachte Studien „anzurennen“. Ich kann aber an dieser Stelle wiederholen, dass es Abraham Morgenthaler, aus Boston hat Studien über 2o Jahre zusammengetragen, die zeigen, dass ein niedriges Testosteron ein kardiovaskuläres Risiko für den Mann hat,- also genau das Gegenteil und so Landa:

Am 4.2.2014 hat Jen Landa, http://www.huffingtonpost.com/jen-landa-md/testosterone-therapy_b_4709168.html diskutiert, wie die Studienlage nach der Finkle Studie zu bewerten ist und er fasst zusammen: „Testosterone Therapy Does Not Cause Heart Attacks“. Und er beschreibt erneut die zahlreichen gesundheitsfördernden Effekte von Testosteron, die auch beschrieben habe.

Ich bin nach wie vor der Meinung dass zur gesundheitsfördernden Verordnung von Testosteron folgendes unbedingt gehört:

  1. Klare altersangepasste Indikation ( siehe unser Fragebogen)
  2. Ausreichende Untersuchung des kardiovaskulären Status , Prostatauntersuchung, und kompetente Laboruntersuchungen.
  3. Beginn mit einer niedrig dosierten Medikation unter Wirkspiegelmessung und Beobachtung des Befindens und Kontrolluntersuchungen.