erweiterte Fassung: 22.5.2014

 

In der FAZ gibt es jüngst 2 interessante Artikel zum Thema der nicht körperlichen oder geistigen Kommunikationen zwischen Menschen, die gelöst vom Bewusstsein ablaufen.  Zu dieser Kommunikation kann man „Spiegelneuronen“ zählen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Spiegelneuron

dann nicht auditive  Schallübertragung von Mensch zu Mensch. Darüber gibt es kaum Literatur zur Zeit, aber es war bekannt, dass diese Kommunikation zwischen den Menschen Wirkung auf Emotionen und Verhalten hat. Und dann eben die  odorische Kommunikationvon der hier die Rede ist.

Der Duft der "Abwehr"?  so titelt die FAZ und beschreibt die Studien von Thomas Boehm vom MPI in Freiburg und anderen, welche zitiert werden.

http://www.faz.net/aktuell/wissen/mensch-gene/immunsystem-bestimmt-parfuemwahl-der-duft-der-abwehr-12033739.html

Sicher scheint gegenwärtig zu sein, dass odorische Substanzen auch in kleinster Konzentration mit entsprechenden Rezeptorpeptiden des MHC Komplex interagieren. Das ist das immnunologische System, welches bei Menschen Gekanntes und Akzeptiertes von Fremdem auf der Zelloberfläche vermittels spzifischer Rezeptoren unterscheidet und zum ersten Mal im Transplantationssystem eine wichtige Rolle spielte ( s.u.). Es ist faszinierend, dass immer mehr über die Zuneogung und Abneigung unter menschen auch von diesem Sytem gesteuert wird.

Neu ist  auch am 21.5. erschienen zum Thema Pheromone.

http://www.faz.net/aktuell/wissen/mensch-gene/pheromone-duftstoffe-beim-menschen-als-botschaftsaustausch-12921974.html

 

Diese werden im sog. Vomeronasalen Organ wahrgenommen und es gibt noch immer einen Diskussion, ob und wie dieses System vermittels der Pheromone auch beim Menschen wirksam in ausreichendem Masse vorhanden ist.

Es wird gesagt, dass der erwachsene Mensch dieses  "Riechorgan" für die geruchlosen Duftstoffe der Pheromone nicht mehr habe. Es sei verkümmert:

Das hat mich etwas verwirrt, da ich in einem Artilel dieses sogenannte "Vomeronasale oder Jacobson- Organ" des Menschen beschrieben hatte .In Wikipedia gibt es eine Übersicht:

http://de.wikipedia.org/wiki/Jacobson-Organ

 

Auf die Vorgangänge der sexuellen und körperlichen Attraktion mit Duftstoffen ging ich in meinem Artikel wie folgt ein:

 

Orlando und Pheromone

 Virginia Wolf hat es „gerochen“ und in ihrem faszinierenden Roman „Orlando“ einen Menschen beschrieben, der über Jahrhunderte eine erlebnisreiche Transsexualität durchlaufen hat und noch immer rätseln wir über die Symbolik dieser Figur, die uns heute so viel zusagen hat. Was ist Sexualität oder anders gefragt, was ist das Geschlecht, das unsere Sexualität bestimmt? Hier bahnt sich gerade in der westlichen Kulturwelt ein entschiedener Wandel an. Der äußere Phänotyp unseres Körpers lässt uns als Mann oder Frau erscheinen, bestimmt durch die Genexpression des Y-oder X- Chromosoms und so ging man bisher davon aus, dass die Sexualität und sexuelle Neigung ebenso wie unser Körper festegelegt sei und es mehrheitlich heterosexuelle Menschen gäbe, die miteinander Sex haben und, wenn es noch immer nach dem Vatikan ginge, so diene diese bis heute hauptsächlich der Fortpflanzung des Menschen. Männer und Frauen mit gleich- oder vielgeschlechtlichen Bedürfnissen gelten immer noch in der Mehrzahl der Kulturen auf der Welt als widernatürlich oder krank, abartig und werden in manchen Kulturen mit der Todesstrafe verfolgt. Nur einige moderne laizistische Kulturen, zu denen wir dank moderner demoktarischer Gesellschaftsentwürfe und neurobiologischer Forschung gehören, eröffnen ein völlig anderes Panorama der Sexualität.

 

Gehen wir also diesen Schritt weiter und suchen nach der Essenz der Sexualität, den Pheromone. Diese Geruchsstoffe sind die Boten in die Gehirnareale, die unsere Sexualität bestimmen. Neueste neurobiologische Untersuchungen, also solche welche die Biologie des Gehirns während unserer Lebensumstände untersuchen, zeigen, dass körperliches Geschlecht und individuelle Sexualität im jeweiligen Körper nicht zusammenpassen müssen,- der Mann ist in seinem männlichen Körper nicht unbedingt männlich sexuell bestimmt und die Frau nicht unbedingt weiblich,- das ist das Neue. So kann in einem männlichen Körper ein mehr weiblich programmiertes Gehirn wohnen und in einem weiblichen ein mehr männlich zentriertes, was die Sexualität, aber auch andere Funktionen, angeht. Aber auch das ist eine vereinfachte Sichtweise, denn , wenn man neurobiologisch genauer hinsieht, so deutet sich an, dass Sexualität gehirngesteuert und relativ unabhängig vom Körper und diesen nur als Ausdrucksmittel benutzend in einem komplexen System   an emotionalen und körperlich Ausdrucksformen der eigenen Identität und der Beziehung zu anderen Menschen entwickeln kann. Genau hierbei haben die Pheromone ihre Bedeutung erlangt.

Es gibt nicht wie bislang angenommen, das hautsächlich männlich und das hauptsächlich weiblich geprägte Gehirn. Individuell zeigt sich im Gehirnaufbau und in der Funktionsweise von bestimmten Gehirnarealen gegenüber den sexuellen Lockhormonen, den Pheromonen, deutliche Unterschiede.

Was sind Pheromone? Adolf Butenandt, der berühmte deutsche Chemiker entdeckte den Sexuallockstoff des Seidenspinners und eröffnete damit eine ganze neue Forschungswelt der vorwiegend als Insektenhormone erforschten Botenstoffe ( siehe wikipedia.org/wiki/Pheromon ), er schrieb: „Substanzen, die von einem Individuum nach außen abgegeben werden und bei einem anderen Individuum der gleichen Art spezifische Reaktionen auslösen“. Mit dieser Definition können wir nun zum Menschen kommen, denn genau darum geht es hier, um die spezifischen Reaktionen, welche können das bei uns sein und kann man sie nutzen?

Ich habe vor einiger Zeit beschrieben, dass der spezifische Geruch eines Menschen das stärkste Aphrodisiakum für einen anderen Menschen ist. Diesen Geruch kann man heute den Pheromonen zuordnen. Beim Menschen haben wir noch nicht so viel Kenntnis, wie bei den Insekten, aber was wir wissen ist aufregend genug. Pheromone werden von uns unbewusst über das zweite Riechorgan in unserer Nase, das Vomeronalase Organ wahrgenommen. Was aber so bedeutungsvoll ist, ist die Tatsache, dass die Sympathie oder Antipathie auslösende sexuelle Reaktion auf Pheromone genetisch festgelegt ist, im sog HLA System, im MHC Komplex. Dieses genetisch aufgebaute Immunsystem lernte man bei der Annahme oder Abstoßung von Organtransplantaten kennen. Heute wissen wir, dass dieses System viel weitgreifender ist und überhaupt über die unwillkürliche Auseinandersetzung der Menschen untereinander entscheidet. Die Annahme, von Zuneigung bis Obsession oder von Ablehnung bis Hass eines anderen Menschen ist also extrem aufwendig und im Innersten unseres Seins erblich festgelegt. Genetische Resonanz im Wahrnehmngssystem der Pheromome entscheidet neben äusseren Körpermerkmalen und dem Charakter eines Menschen darüber wie zwei Menschen zusammenpassen und über ihre Sexualität. Asexuelle Menschen, also Menschen ohne Bedürfnis nach Sexualität haben entwickeln keine solche Resonanz. Neuerdings wissen wir, dass dieses Erbe bis unser Gehirn geht. Im männlichen heterosexuellen Gehirn, im schwulen Gehirn, im heterosexuellen weiblichen und lesbischen Gehirn sind bestimmte Gehirnregionen unterschiedlich aufgebaut. Bei heterosexuellen Männern reagieren andere Gehirnareale auf sexuelle Reize als bei schwulen Männern. Im Balken des Gehirns, der beide Hirnhälften verbindet, herrscht eine Asymmetrie unter Männern, und strukturelle Unterschiede zum weiblichen Gehirn, die weiter in andere Kerngebiete des Gehirns reichen.

Am Karolinska Institut in Stockholm haben Savic und Lindstrom gezeigt, dass heterosexuelle und homosexuelle Männer und Frauen anders auf Pheromone regieren. Mit der Magnetresonanztomographie kann gezeigt werden, dass es schon in der Organisation von sexuell aktiven Gehirnregionen Symmetrieunterschiede zwischen hetero- und homosexuellen Menschen gibt, die genetische vorgegeben sind und diese reichen von den tiefen Gehirnregionen bis in die Hirnrinde. Die vom Gehirn gesteuerte Sexualität ist also strukturell erblich vorgegeben und nicht „angelernt“, sie hat eine eindeutige neurobiologische Grundlage. Dies betrifft weiter zahlreiche geprüfte Gehirnfunktionen, wie Händigkeit oder auch sexuelle Erregung durch visuelle Reize. Und so erstaunt es nicht, unterschiedliche Gehirnareale reagieren bei heterosexuellen und homosexuellen Menschen auf Pheromone unterschiedlich. Die gleichen Autoren untersuchten mit derselben Methode die Wirkung von zwei Pheromonen auf die unterschiedlichen Gehirnstrukturen. Das eine molekular mehr männlich, androgenbetont, das andere mehr weiblich östrogenbetont. Heterosexuelle Frauen reagieren auf das männliche Hormon, heterosexuelle Männer auf das weibliche entsprechend den beschriebenen Gehirnstrukturen. Homosexuelle Männer weisen auf Pheromone aber eine Aktivierung von typisch homosexuellen Gehirnstrukturen auf, solche Männer können Männer im wahrsten Sinne gut riechen.

Nun sind wir mitten in der Diskussion um die „Natürlichkeit“ der Sexualität, der eigenen sexuellen Präferenz und der Partnerpräferenz, denn alles was die Evolution der Gene an Strukturen und Funktionen hervorbringt, muss nach gegenwärtigem wissenschaftlichen Kenntnisstand als „natürlich“ angesehen werden. Nach diesen Erkenntnissen, müssen wir die Begriffe Heterosexualität, Homosexualität, lebisches Sexualverhalten, Bisexualität auflösen zu Gunsten eines breiten genetisch bedingten kontinuierlichen Spektrums des Empfindens der eigenen sexuellen Identität im jeweiligen Körper und der empfundenen Partnerpräferenz. Diese wird nach Kultur, Ort, Lebensalter und anderen gesellschaftlich gegebenen Gegebenheiten Sexualität und Partnerschaft unterschiedlich erleben lassen. Transsexuelle Menschen sind das extreme Paradigma eines solchen genetischen Kontinuums eines einerseits genetisch und phänotypisch äußeren Geschlechts, das aber auf der Ebene der Gehirnstrukturen und im emotionalen Erlebnisbereich dem anderen Geschlecht zuzuordnen ist. In diesem Kontinuum halten sich alle Menschen mit ihrer sexuelle Identität und partnerschaftlichen Sexualität auf. Und nun verstehen wir die Vielfalt des möglichen Erlebens menschlicher Sexualität. Ich möchte dieses Sexualleben „amphisexuell“ nennen, weil Menschen unabhängig von ihrem Körper mit demselben,- gleich Amphibien, - in unterschiedliche Welten der Sexualiät leben können in der Lust der freien Entscheidung und Toleranz.

In dieser dem Menschen gegebenen Freiheit ist Fortpflanzung und Familie niemals gefährdet, aber es werden andere Gesellschaftsstrukturen entstehen.

 

In „Orlando“, dem faszinierenden Buch von Virginia Wolf, beschreibt dieser als Mann geborene und über Jahrhunderte zur Frau gewordene Mensch...“ sie, Orlando, hatte keine Probleme, die verschiedene Rollen anzunehmen, denn ihr Geschlecht wechselte häufiger, als jene, die nur eine Art von Bekleidung getragen haben, sich vorstellen können. Es kann keinen Zweifel daran geben, dass sie durch dieses Vorgehen eine zweifache Ernte einbrachte und „sie“ erfreute sich gleichermassen der Liebe beider Geschlechter….“